So umgeben…

…von Menschen, mit denen man keinen gemeinsamen Grund mehr findet. Die mich zermürben in ihrem ewigen und unberechenbaren Wechsel der Haktung mir gegenüber.

Ich frage mich jeden Tag, was ich mir dabei dachte- als ich mich entschied, diese räumliche Nähe zu wählen. Und ich weiß es nicht. Ich finde keine Antwort. Vielleicht habe ich wirklich geglaubt, dass es eine gute Idee wäre. Vielleicht habe ich, in meinem trotz allem immer wieder aufflammendem Optimismus, geglaubt, es würde sich etwas ändern an deren Haltung mir gegenüber. Mehr Respekt einziehen.

Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass mir momentan nichts anderes bleibt, als auszuhalten. Durchzuhalten. Stillzuhalten. Und ganz still und heimlich und voller schlechten Gewissens auf ein Ende zu warten.

Glück sieht anders aus.

So seltsame Tage

Es gibt so tage, die sind wie begraben unter äußerem und innerem Nebel.

Der innere Nebel ist mehr ein Schleier aus ungeweinten Tränen, die sich über das Auge legen und den Blick nach innen und außen vernebeln.

Dieses Gefühl, so verwundet zu sein und diese Wunden nie zeigen zu dürfen. Auch nicht zu wollen.

Sehnsucht danach, sich eines Tages geheilt zu fühlen. Dass das Wort ausreichen würde, um heil zu werden. Dass der Glaube ausreichen würde, um ganz zu werden. Um innerlich ein neues Leben beginnen zu können, das nicht mehr beschwert und belastet wird von der Vergangenheit. Leben können.

Dankbarkeit, in ein weiches, warmes Bett kriechen zu können. Eine kleine Heimat zu haben.

Weggedanken

Meistens bin ich mir zumindest relativ sicher, was meine ganz persönliche Zukunft angeht.

Zum einen, sehr einfallslos, weil ich in einigen Punkten schlicht keine Alternative habe. Beruflich sind die nächsten Jahre in einem gewissen Rahmen festgesteckt. (Und doch merke ich schon beim Schreiben, wie sich da eine kleine Hoffnung breit macht, ich könnte in drei, vier Jahren schreiben, es ist alles ganz anders gelaufen. Viel besser, viel größer als erhofft. Nun ja.)

Im ganz persönlichen Bereich habe ich mich halbbewusst für meinen Weg entschieden. Halbbewusst, weil sich lange Zeit ein Teil in mir gegen diesen Weg gesträubt hat. Dieser Teil meinte, ich wäre dafür nicht stark genug, ich würde das nicht schaffen und vor allem wäre es viel zu anders als der Weg der Anderen. Schließlich hat sich aber, auch einfach im Laufe der Jahre und bedingt dadurch, dass die äußeren Umstände ihm immer wieder recht gaben, der andere Teil durchgesetzt. Der, der mir sagte: Du bist absolut stark genug für den Weg alleine, dafür, deine Angelegenheiten selbst zu klären, deine Entscheidungen selbst zu treffen. Du wärst aber wahrscheinlich nicht stark genug, das alles gemeinsam zu tun. Dich anzupassen, Kompromisse einzugehen- und vor allem, Nähe zuzulassen. Es würde dich ersticken und du würdest entweder eingehen oder fliehen.

Und ich denke, dieser Teil hat recht. Das bin ich und je mehr es mir gelingt, das so anzunehmen und damit auch mich selbst anzunehmen, umso mehr fühle ich eine Gelassenheit in mir aufsteigen. Ich stehe außerhalb dieses Wettkampfs, bestimmte Lebensereignisse bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erledigt zu haben, ich stehe außerhalb des Wettkampfs um Personen. Und das fühlt sich sehr gut an. Frei und doch sicher. Weil es mein Mittelpunkt ist.

Manchmal aber schleicht sich doch ein Zweifel ein, der Gedanke, ich hätte jetzt gerne jemanden an meiner Seite, der mir hilft, eine bestimmte Situation zu ertragen. Der mir Stärke gibt, die mir in diesem Moment selbst fehlt. Gestern war einer dieser Momente.

Und dann kam, einfach so, die ganz klare Erkenntnis (es schien mir eine Stimme zu sein, die meinem Geist dies sagte): Das wäre nicht dein Weg. Dein Weg ist ein anderer. Und da wartet noch vieles auf dich. Du kannst vieles bewegen, wenn du dir den Raum dazu schenkst.

So mag ich das- eine ganz klare Botschaft, die mir Zuversicht und Sicherheit schenkt. Für einen neuen Tag, der gut beginnt in diesem Bewusstsein.

Danke.

Wütend

Immer, wenn ich davon höre, wie heute früh im Radio am Beispiel eines wohl bekannten Verstorbenen oder davon lese, wie eine halbe Stunde später beim Frühstück in der Autobiographie einer ebenfalls bekannten Lebenden, dann werde ich so wütend.

Mit so einem hilflosen Gefühl der Wut, das mich ratlos macht, wie ich ihr- der Wut- begegnen soll und kann. Ich merke, wie ich dieses Gefühl projiziere auf Unbekannte, auf Menschen, die ich nicht kenne und von denen ich nichts weiß, denen ich aber unterstelle, schlecht zu sein. Schlecht im Sinne meiner persönlichen Definition von Schlecht, denn im Grunde ist vielleicht immer nur das Schlecht, wovon ich beschließe, es als solches zu empfinden. Aber auf diesem Weg- das Schlechte, das für mich ein solches ist, nicht mehr als Böse, Falsch und Schlecht zu empfinden, auf diesem Weg bin ich erst ganz am Anfang. Vielleicht auch, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich überhaupt weiter gehen möchte in dieser Richtung.

Die große Hilflosigkeit gegenüber dieser Wahrnehmung, dass die eine Hälfte der Menschheit nur aufgrund ihrer körperlichen Überlegenheit die andere Hälfte der Menschheit schon immer unter Kontrolle hatte und immer haben wird. Die große Wut gegenüber der Tatsache, dass genau das immer und immer wieder, in jeder Sekunde auf dieser Welt ausgespielt wird. Die Trauer um all die Seelen, die so verwundet sind, dass sie nicht mehr zurückfinden und doch in diesem Körper weiterleben müssen.

Ein ganz kleiner Schritt nur wäre es bis zum Hass. Ich will ihn nicht gehen. Ich will andere Optionen für mich finden, die mir selbst ein Leben in innerer und äußerer Freiheit ermöglichen und mir zugleich die Möglichkeit geben, Anderen ebenfalls diese Freiheit schenken zu können. Ohne Angst leben zu können. Die Panik zu verabschieden. Das Leben im Augenblick genießen zu können ohne ein gehetztes Wild zu sein.

Ich spüre, dass ich nicht mehr ganz so gelähmt gegenüber meinem eigenen Gefühl stehe und nicht mehr so sehr in der Hilflosigkeit verharre.

Dafür möchte ich dankbar sein. Auch dafür, dass erst die immer und immer wiederkehrende Erinnerung diese Dankbarkeit ermöglicht, wil mir nur dadurch mein innerer Fortschritt deutlich wird.

Heute kann ich zuversichtlich sein, dass es eine Zukunft für mich gibt, die diesen Teil meines Lebens und des Lebens Anderer nicht ausklammert und dennoch nicht alles beherrschen wird.

Hoffnungsfroh

Auf der Suche nach mir selbst- nach dem, was ich bin und nach dem, wer ich werden möchte, merke ich immer mehr, dass das Ausformulieren der Gedanken helfen könnte, sie realer werden zu lassen.

Und damit vielleicht auch die Macht der Gedanken spüren, die so oft und so viel beschrieben und versprochen wird.

Momentan lebe ich in einer Übergangszeit- zwischen einem Dasein, das langsam ausschleicht, mit jedem Tag, der die Zukunft näher bringt und einem neuen Abschnitt, der mir nur sehr schemenhaft vorstellbar erscheint.

Im Grunde ist mein Weg äußerlich sehr genau vorgezeichnet und ich weiß sehr genau, dass ich keine Chance habe, einen anderen Weg einzuschlagen. Zuviele Verpflichtungen, zuviel Pflichtgefühl und zu wenig Mut.

So möchte ich versuchen, diesen unausweichlichen Weg so gut es mir möglich ist zu gehen, dabei und daran zu wachsen in dem Bewusstsein, dass dieses innere Wachstum und diese Bereitschaft, mich zu entwickeln und nicht zu verharren, im Grunde DAS Ziel meiner Seele ist. Und dass eben meiner Seele die äußeren Umstände kaum bedeutsam sind, dass sie sich ihr nur als Randnotizen zeigen, die Anlass zur Überwindung schenken. Aber keine Gründe darstellen, im Innersten erschüttert zu werden.
Es ist nicht mein erster Versuch, meinen Gedanken einen solchen Raum zu schenken. Immer wieder bin ich an der Unkonkretheit meiner Worte und der Unfähigkeit, sie konkreter, unterhaltsamer zu gestalten, gescheitert.

So nehme ich mir vor, mich bei diesem Versuch nicht von meinen eigenen Perfektionismus- Anforderungen treiben zu lassen und auch nicht von dem inneren Vergleich mit den Inhalten Anderer.

Ich möchte mir selbst diesen Raum schenken und vielleicht auch hin und wieder darüber in Austausch mit einem Gegenüber treten können.