Auf der Suche…

…nach einem Weltbild- oder besser gesagt, nach MEINEM Weltbild.

Neben all dem Hineinfüllen von Wissen und Fakten in meinen Kopf im Hinblick auf dieses kommende Examen schleicht sich fast ständig die Frage ein, woran glaubst du eigentlich? Was ist deine geistige Heimat? Und ich könnte mir nichts Schöneres, nichts Friedvolleres vorstellen, als eine Antwort darauf zu finden. Ich sehne mich danach, mich angekommen zu fühlen in einem Weltbild, das ist als das meine annehmen kann und das mich zur Ruhe kommen lässt. Stattdessen fühle ich mich innerlich getrieben und verunsichert.

Von Haus aus sozusagen bin ich katholisch. Mit den Sakramenten, die man als Kind empfängt und im Grunde fühle ich mich schon zuhause in dieser Kirche. Wären da die Menschen nicht. Die Menschen, mit denen ich persänlich schlechte Erfahrungen gemacht habe, die Menschen, deren Verhalten man immer wieder in der Öffentlichkeit mitgeteilt bekommt und auch die Menschen, die ich als Katholiken erlebe und die nichts von dem Verhalten an den Tag legen, das eigentlich, wenn man es ernst nehmen würde, eine wirkliche Nachfolge Jesu bedeuten würde. Nächstenliebe, Fürsorge, Toleranz, dem anderen nicht mehr abverlangen, als man selbst bereit ist, zu geben.

Zumindest wäre das meine Wahrnehmung von Jesus, so wie ich seine Botschaft verstehe. Schon darüber kann man sich ja trefflich und heftig streiten und das ist ein großer wunder Punkt für mich im christlichen Glauben, denn wie passt das zusammen? Aber wenn ich dann debattiere mit einer Freundin, die sozusagen in der entgegengesetzten Ecke des Christentums beheimatet ist, dann merke ich, dass ich mich verängstigt und verunsichert fühle von dem Anspruch, den sie erhebt. Und mit ihr viele, viele Andere. Dieser Anspruch, das Wort Gottes- die Bibel- als die einzige Wahrheit anzuerkennen und alles wörtlich daraus zu übernehmen. Wir finden nicht einmal einen Konsens, welche Übersetzung man denn dafür verwenden sollte. Schließlich ändert sich doch so einiges an der Bedeutung einer Aussage, wenn sie durch verschiedene Sprachen hindurch gewandert ist. So fällt es mir sehr schwer, da mitzugehen und was mich noch mehr irritiert, ist die Tatsache, dass ich nach ihrem Weltbild eine religiöse Haltung annehmen müsste, um „gerettet“ zu werden- also nicht am Ende meines Lebens in der Hölle zu landen- die mir ein Gefühl der Unfreiheit und der Intoleranz gibt. In meiner Wahrnehmung möchte Gott doch aber, dass wir glücklich sind und so verstehe ich persönlich für mich auch die Aussage der Bibel- eine Hilfestellung für ein Leben in innerer Harmonie. Dass wir das oft nicht schaffen, liegt eher an unseren eigenen Begrenzungen und der Tatsache, dass wir eben noch nicht auf einem solch hohen Schwingungsniveau angelangt sind, wie dasjenige, in dem Jesus lebte und handelte.

Somit also auch in dieser Richtung des Christentums keine Heimat für mich. Und doch das kleine, nagende Gefühl, das solche Aussagen lieber Menschen mit sich bringen- dass sie vielleicht doch recht haben und man am Ende bereuen wird, die Entscheidung für einen Glauben voll innerer Freuheit gewählt zu haben.

Ganz klar ist mir selbst nicht, warum ich so sehr auf der Suche bin nach einer Gemeinschaft, einer Religion oder was auch immer, die mir ein Welt- und Menschenbild bietet, das ich teilen kann. Prinzipiell bin ich kein Gemeinschaftsmensch und meide die Gesellschaft fremder oder vieler Menschen so gut wie möglich. Vielleicht ist es die Angst vor der Zukunft, in der ich irgendwann einmal alleine da stehen werde und für die ich nach einer inneren Heimat suche. Aber ich möchte bemühen, mehr im Jetzt zu leben und nicht so sehr im Hinblick auf die mögliche Zukunft.

Also könnte ich mich eigentlich ganz ruhig und entspannt der Suche nach meiner eigenen, für mich stimmigen und in meinem Leben lebbaren Weltansicht und Glaubenseinstellung machen.

Ich werde es versuchen.