Leben

Nach so vielen Jahren, in denen ich vornehmlich funktionierte, habe ich es überstanden. Tatsächlich überstanden und das auch noch recht gut, zufriedenstellend.

Die letzten Jahre verschwimmen in meiner Erinnerung zu einer ungenauen Masse an Sorge, Angst, Traurigkeit, Überforderung. Zu wenig Zeit und Raum zum Atmen, zu wenig Fähigkeit zum Ausgleich.

Ich mache mir nichts vor- das, was jetzt kommt, wird kein Erholungsurlaub. Aber: Wenn ich meinen Arbeitsplatz verlassen werde, dann ist die Arbeit für diesen Tag beendet. Sie mag und wird in meinem Kopf noch weiter gehen, da werde ich einen guten Weg finden müssen. Nur werde ich zuhause nicht wieder am Schreibtisch sitzen müssen, ich werde nicht immer weiter machen müssen, egal, welcher Tag ist. Auf diesen klaren Unterschied freue ich mich.

Momentan genieße ich es, zum ersten Mal seit langer Zeit ohne schlechtes Gewissen, einfach aufzustehen, wenn ich aufwache (was erstaunlicherweise gar nicht so spät ist, ich bin wohl gut trainiert), mir dann zu überlegen, wie ich den Tag verbringe.

Es ist so viel liegen geblieben ist den letzten Monaten, dass es sehr viel zu tun gibt. Aber in meinem eigenen Tempo. Ohne permanent die antreibende Stimme im Hinterkopf. Gut, sie ist immer noch da, und ich höre sie mehr als deutlich.

Auch wenn man vorher denkt: wenn es nur erst vorbei ist, dann wird alles sofort leichter werden und man wird sich gut fühlen- so ist es nicht. Es dauert, durchzuatmen, zu begreifen, dass es wirklich vorbei ist und dass ich es geschafft habe.

Zur Ruhe komme ich momentan nur durch Arbeit- aber es ist in Ordnung, im Garten, beim Unkrautjäten und Einpflanzen diese Zeit zu verbringen. Es erdet im wahrsten Sinne des Wortes.