No.2

[Gute Begebenheit] Ein Hundemädchen, das genauso langschläfrig ist wie ich momentan und sich morgens gemütlich in meinen Arm kuschelt. Ein Postbote, der einfach freundlich ist ohne unangenehm zu sein. Ein gemütliches Erkältungsbad in einem frisch geputzten Bad.

[Alltagsschönheit] Apricotfarbene Moosröschen, die auf meinem Jahreszeitentisch gerade aufblühen und bei jedem Betreten des Zimmers einfach erfreuen.

[Essen] Frühstück: Haferbabybrei mit Zimt, Anis und gefrorenen Brombeeren

Mittag: Zucchinicremesuppe mit Sojamilch, Kartoffelstärke zum Eindicken und Reis

Nachmittags: Obstsalat aus 1 Apfel, 1 Mandarine und kernlosen Trauben mit Fruchtsaft und Kokosraspeln;  1 Stück Schokolade

Abends: Suppe wie mittags; 1 Teller Radieschensalat; später noch ein paar vegane Kekse und Studentenfutter

Getränke: 1 Glas Sojamilch mit Kakao; 1 Kanne Hustentee; 1 große Tasse Schlaftee mit Aufbauhonig. Zu Wenig.

Heute war die Stimmung ganz in Ordnung, keine Tiefs, eines, das sich mittags ankündigte, ließ sich mit 45 Min. Schlafen vermeiden. Überhaupt- schlafen ist mein Allheilmittel.

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Kleinkindreaktionen

Manchmal reagiere ich wie ein Kleinkind. Innerlich trotzig, enttäuscht und mit der Einstellung „na, wenn du mir nicht das gibst, was ich will, dann will ich gar nichts mit dir zu tun haben“. Dass das lächerlich und unreif ist, ist mir durchaus klar, aber dennoch ist es so häufig eine Reaktion meinerseits.

Ich möchte das nicht mehr. Ich möchte wahrnehmen, dass der kindliche Teil in mir enttäuscht ist über das Verhalten einer anderen Person, dass ich deswegen aber nicht trotzig zu werden brauche. Und vor allem hat es nichts mit meinem inneren Wesenskern zu tun- der bleibt unberührt davon, wie ein anderer Mensch mich behandelt, dieser innere Kern ist wertvoll ganz unabhängig vom Verhalten anderer.

Möge das in meinem Bewusstsein ankommen.

No.1

[Gute Begebenheit] Im Bett liegen können, während meine Küche aufgeräumt wird. Wegdämmern können ohne schlechtes Gewissen. Morgens mit verschmustem Hund noch weiterschlafen können ohne Weckerklingeln.

[Alltagsschönheit] Der Sternenhimmel und der spontane Gedanke „Alles wird gut. Nein, alles ist gut.“

[Essen] Frühstück: Rest Reis mit Pilzen (Trockenfertiggericht) von gestern

Mittag: Sellerie-Lauch-Petersilienwurzel-Kartoffelsuppe mit Sojawürstchen und Suppennudeln

Nachmittags: 1 Apfel, getrocknete Beeren, später 1 Schokosojapudding, 1 Schokoreiswaffel

Abends: 4 Knäckebrote mit Sojamagarine, Kresse, veganer Wurst, Oliven

Getränke: 1 Kanne Hustentee, 1 Karaffe Immunpro- Saft mit heißem Wasser

Aufbruch

So ein großes Wort. Innerlich habe ich es gerne und oft benützt, früher. Als ich noch jünger war (das mit Mitte zwanzig zu sagen ist schon ein Wagnis an sich, aber gefühlt bin ich irgendwie tatsächlich alt- aber nicht gereift, nur alt und ausgelaugt).

Nur- auch wenn ich nicht mehr an Aufbrüche glaube und eigentlich ziemlich sicher bin, dass sie (mir) nicht gelingen, so weiß ich doch, dass es so nicht mehr weiter geht.

In den letzten Wochen hat sich die Depression, die ich, grob überschlagen seit ca. 18 Jahren habe, einen eindrücklicheren Weg gebahnt als je zuvor. Früher waren es einzelne Tage am Stück, an denen es mir nicht gut ging. Jetzt sind es Wochen, Monate. Es gibt keine Augenblicke mehr, in denen es anders, leichter, heller ist. Noch aber kann ich meiner Arbeit nachgehen- so mit nicht eine körperliche Krankheit ausknockt, so wie aktuell. Und solange ich das kann, kann ich mir auch noch selbst einen Weg bahnen. Durch dieses Dickicht in meiner Seele.

Immerhin will ich mir Hilfe holen von ein paar Medikamenten, ein hochdosiertes Johanniskrautpräparat (laut Studien bei leichter bis mittelschwerer Depression ebenso wirksam wie beispielsweise SSRI, die modernen Antidepressiva, dafür aber nebenwirkungsärmer) und einige homöopathische Medikamente. Ich weiß, dass ich das Gefühl brauche, etwas zu mir zu nehmen, das mir hilft, wahrscheinlich täten es Placebos bei mir auch.

Dann gibt es da noch diese Therapie, die ich begonnen habe, erst ein Termin und eigentlich ein anderer, beruflicher Fokus. Aber ich kann sie nutzen, wie ich es für richtig halte, so werde ich das versuchen. Auch, wenn mir schon der Gedanke, zu vertrauen, extrem schwer fällt. Aber das ist ja nichts Neues.

Und das Essen…gefühlt fast der Hauptfaktor, der den Teufelskreis aufrecht erhält. Wenn mich irgendetwas emotional belastet, esse ich nicht mehr. Esse ich nicht mehr, fühle ich mich innerlich immer schlechter und erschöpfter, die Depression bekommt immer mehr Macht. Hat sie Macht, habe ich keine Kraft mehr, mir etwas zu essen zu machen oder auch nur aufzustehen und etwas zu holen. Ich habe auch aus Gesundheitswahngründen keine ungesunden kalorienhaltigen Lebensmittel zuhause, sodass ich auch nicht mal eben schnell was holen kann. Da muss ich mir etwas suchen, das meinen Gehirnstoffwechsel ausreichend versorgt, dass er nicht zusammenbricht und ich gar nicht mehr aus dem Teufelskreis komme, bis mich zufällig jemand mit Essen versorgt.

Bleibt auch noch die Arbeit. Die innere Ablehnung, in Kombination mit Angst und Panik, sind keine guten Ratgeber. Sie sind auch nicht adäquat, sondern mehr eine Art Reflex- es ist trotz aller Herausforderungen die für mich beste denkbare Stelle mit den wenigsten Herausforderungen im Vergleich zu anderen Stellen. Ich habe gute Kollegen, die mich wohl eher auffangen würden, als mich fallen zu lassen- wobei sich das nächste Woche noch konkreter zeigen wird.

Hier möchte ich versuchen, möglichst jeden Tag eine gute Begebenheit, eine Alltagsschönheit und mein Essen aufzuschreiben. Um ein wenig Achtsamkeit in meinen Alltag zu bringen.

Überfordert- Unterfordert

Worte drängen sich an die Oberfläche.

Im Alltag zu wenig Raum, zu wenig Zeit, zu wenig Gegenüber, um den Worten die Gelegenheit zu geben, an die Oberfläche zu kommen.

Vielleicht gelingt es mir hier wieder ein wenig.

Nun bin  ich also im Beruf. Nicht wirklich ungewohnt, aber doch neu, irgendwie. 

Auf der einen Seite- überfordert von all dem Menschenkontakt, immer Menschen um mich, Wünsche, Ansprüche. Immer nett sein müssen, sein wollen, der eigene Anspruch, es gut zu machen. Genervt von all den Menschen, darüber Schuldgefühle, weil nicht vereinbar mit meinem inneren Anspruch. 

Gleichzeitig unterfordert- zu wenig geistige Anregung, starre Gedankenkonzepte bei den Kollegen, die alles ganz genau wissen und sich ganz sicher sind, was richtig und falsch ist. Ich bin  mir nicht sicher, wie könnte ich mir anmaßen, in einen anderen Menschen hinein sehen zu können und wissen zu können, warum er so ist, wie er ist. Auch wenn ich prinzipiell zu Hochmut neige, ich möchte so nicht werden. So abwertend und immer die Schuld beim anderen suchend. Und dieser andere darf keine Wünsche haben, sonst ist er gleich fordernd. Wofür er dann „bestraft“ wird. Nach außen hin ein gutes Klima dort, nach innen schwer zu ertragen, Tag für Tag. 

Verbunden mit dem ständigen Zweifel, ob es die richtige Richtung ist für mich, ob ich mich richtig entschieden habe. Die Vorstellung, das ein Leben lang zu machen- um Gottes Willen, nein. Nur- was dann? Es scheint so alternativlos, ein schon abgegriffener Begriff inzwischen.

Aber dieses innere Gefühl der Langeweile, das ist permanent vorhanden. Selbst dann, wenn es stressig ist. Weil es mich nicht erfüllt. Ich fühle mich leer, genauso wie vorher und hatte mir doch unterbewusst immer so viel erhofft. Ich weiß, ganz viele Menschen arbeiten eben einfach irgendwo und irgendwie, aber zum einen ist es ein Beruf, der so intensiven Menschenkontakt erfordert, dass sehr schnell deutlich wird, wenn man es nur irgendwie macht. Zum anderen habe ich eben auch diese Anspruch, mich durch meine Tätigkeit zu verwirklichen. Meine Fähigkeiten, meine Intelligenz ( darf man ja kaum laut sagen, um nicht arrogant zu wirken, aber es ist auch eine Bürde, weil alles durchdenke und zerdenke…) und meine Begabungen sinnstiftend und nutzbringend einzusetzen. Und das jenseits von esoterischen Konzepten, die anscheinend momentan die einzigen zu sein scheinen, die eine Nische bieten. 

So bleibt innerlich die ganze Zeit die Frage, ob es überhaupt der richtige Beruf ist, die richtige Stelle, die richtige Subspezialisierung und gleichzeitig das Wissen, dass es aktuell gar keine Alternativen gibt. Ich brauche Geld, es wird von mir erwartet, dass ich Geld verdiene und ich habe keines, um irgendetwas anderes zu beginnen. Aber das Wissen, erstmal 10 Jahre zu arbeiten, um diesen finanziellen Ansprüchen gerecht zu werden, das macht mich innerlich krank. Meine Lebenszeit ist mir irgendwie zu wertvoll, um einfach nur durchzuhalten. Ich möchte etwas tun, das mir das Gefühl gibt, das Richtige zu tun. Nur wo und wie soll ich das finden? Nach so einem langen Kampf alles doch wieder aufgeben? Einfach ratlos.