Sich von Traumvorstellungen verabschieden

Als ich heute mit meiner Hündin durch eine idyllische Siedlung spazieren ging, die gepflegten Vorgärten und einladenden Häuser sah, da verabschiedete sich etwas in mir von der Vorstellung, jemals selbst so zu leben.

Viele, viele Jahre meiner Kindheit habe ich damit verbracht, zu glauben und zu hoffen, dass in der richtigen Umgebung alles gut werden würde. Wenn wir auch in eine Neubausiedlung ziehen würden, ein neues, schönes Haus hätten, dann würden wir eine normale Familie werden. Eine glückliche Familie, in der die Eltern nicht permanent streiten würden, eine Familie, in die man einfach so Freunde mitbringen könnte, die friedlich mit den Menschen in ihrer Umgebung leben würde, in der irgendwie klar wäre, wer Eltern und wer Kind ist.

Nun, wir zogen in ein neu gebautes Haus in einer Neubausiedlung. Keiner meiner Träume erfüllte sich, natürlich nicht. Es wurde schlimmer. Und trotzdem war in mir immer noch diese Vorstellung, dass mit diesen neu gebauten Häusern irgendeine Form der Magie verbunden wäre. Dass sie mich heilen würden, würde ich nur eines Tages selbst mit einer Vorzeigefamilie in einer Neubausiedlung wohnen.

Ich gehe gerne spazieren durch diese scheinbaren Idyllen. Ich freue mich an neugebauten Häusern von Bekannten.

Aber heute wurde mir klar, dass das nicht mein Leben sein wird. Mein Leben wird sich nicht in einem idyllischen Haus mit Mann und Kindern abspielen. Im Grunde weiß ich das schon lange. Im Grunde ist mir schon lange bewusst, dass ich ersticken würde, dass ich all die Hoffnungen, die ich damals in die Umgebung gesetzt hatte, auch dann wieder in nichtbeseelte Baumaterialien setzen würde.

Aber in meiner Seele war es noch nicht angekommen. Heute ist diese Erkenntnis angekommen. Das ist nicht mein Weg. Schemenhaft zeichnet sich etwas ab, das mein Weg sein könnte. Verbunden mit einem Gefühl von Freiheit, weil ich spüre, wie ich mich langsam von den angeblichen Bindungen, die keine sind und nie welche waren, verabschiede.