Gefühle. Neujahr.

Das neue Jahr beginnt für mich damit, dass ich ausnahmsweise einmal meine Wut spüre und mir hiermit sogar gestatte, sie schriftlich festzuhalten.

Ich bin dank einer kurzen Nachricht eines Kollegen heute innerlich wirklich wütend geworden über dessen Anmaßung, zu wissen, was richtig und wahr ist und dass meine Sichtweise oder mein Erleben es nicht ist. Dafür hat er nicht einmal viele Worte gemacht, sondern in den wenigen Worten, die er gebrauchte, hat er mir deutlich gemacht, dass ich so bin, wie er mir es von Anfang an hat klarmachen wollen- abhängig, unselbstständig, unreflektiert, unerwachsen. Diese Einschätzung seinerseits basiert auf seiner Weltsicht, resultierend aus seinen Lebenserfahrungen.

Es ist nicht so, dass ich mich nicht damit auseinandergesetzt hätte, mit diesen Themen. Und sicherlich kann man meine Persönlichkeitsstruktur als abhängig bezeichnen, wenn man es aus dieser Perspektive betrachtet. Andererseits erlebe ich momentan, während ich nun schon länger krank bin, gerade von den Menschen, zu denen ich angeblich diese dysfunktionale, abhängige Beziehung habe, wirkliche tägliche Unterstützung und Hilfe. Während die Personen, die mir Abhängigkeit vorwerfen, nämlich nicht nur dieser Kollege, sondern auch diverse andere Kollegen, die sich ebenfalls aufgrund ihrer Fachausbildung anmaßen, mich analysieren und einordnen zu dürfen, in dieser Zeit in keinster Weise für mich da waren. Manche haben SMS geschrieben, doch gerade die, denen ich schon verschiedentlich geholfen habe und bei denen ich immer nachfragte, wenn sie selbst krank waren, haben sich nicht gemeldet. Insofern fällt es mir zunehmend schwer, mir selbst vorzuhalten, dass ich abhängig sei und mich unbedingt mehr abgrenzen müsse, wenn ich doch sehe, dass diese außenstehenden Menschen, die ja angeblich so genau wüssten, wie sie mich einzuschätzen hätten, im Zweifelsfall eben nicht da sind und nicht einmal nachfragen.

Das Leben ist nicht schwarz- weiß, das muss ich mir immer wieder ganz bewusst bewusst machen. Nur- genausowenig möchte ich anderen, außenstehenden Menschen erlauben, mich in schwarz- weiße Kategorien einzuteilen und mir damit das Gefühl zu vermitteln, falsch zu sein. Nein, das möchte ich nicht mehr.

(Und all diese Gedanken entstanden jetzt nur auf der Basis des Satzes: „Ich halte mich mit Interpretationen zurück. “ Weil ich genau weiß, welche Interpretationen er damit unausgesprochen in den Raum stellt und wieviel Verurteilung und Abwertung mit diesen unausgesprochenen Interpretationen verbunden ist. Manchmal kann man von einem anderen Menschen viel lernen und neue Wege aufgezeigt bekommen und am Ende dann doch begreifen, dass man einer großen Manipulation ins Netz gegangen ist. Nun muss ich nur noch daran arbeiten, nicht die heilsamen Inhalte und Erkenntnisse von dem Gefühl des Manipuliert- Worden- Seins verschütten zu lassen.)

Vielleicht könnte dieses Gefühle- zulassen und sogar darüber schreiben so etwas wie ein Neujahrsvorsatz sein.

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