Sonntage. In Sicherheit. Voll unverdientem Glück.

Ich mag Sonntage. Das Gefühl, die Stunden ein wenig dahin gleiten zu lassen, alles erledigt zu haben, was der Erledigung harrte. 

Ich mag es, zuhause zu sein, in meinen eigenen vier Wänden. Umgeben von Dingen, die ich mag und die mir gefallen.

Ich mag es, im Wald spazieren zu gehen, in dem außer den Vögeln nichts zu hören ist.

Ich mag es, im Garten zu sitzen, die Ruhe zu genießen, die mich umgibt, meinen Hund zu beobachten, der friedlich in der Sonne liegt.

   
   
All das kann ich nur mögen, weil ich in Sicherheit leben darf. Weil ich das völlig unverdiente und rein zufällige Glück habe, in einem Land geboren zu sein, in dem in meiner Lebensspanne kein Krieg herrscht und in dem so unglaublich komfortable Lebensbedingungen herrschen. Nichts davon ist mein Verdienst oder meine Leistung, ich hatte einfach nur Glück, dass mein Leben eben hier begann und weiter gelebt wurde. Viel zu selten mache ich mir das bewusst, viel zu oft komt der Gedanke, was ich gerne noch hätte oder mir wünschen würde, was mir anscheinend an Konsumgütern noch fehlt oder wie nervend mal wieder die Arbeit war. 

Dann lese ich die Berichte über Refugees aus den verschiedensten Ländern, ich lese von Menschen, die ihnen helfen und dann lese ich die so unfassbar erscheinenden Berichte von Menschen, die den Refugees das kleinste Minimum an Menschenwürde- denn schockierenderweise ist es an manchen Orten nicht mehr und manchmal nicht einmal das, was sie in Deutschland erwartet- absprechen. Ich begreife nicht, wie man, wenn man sich auch nur für ein paar Minuten überlegen kann, wie es sich wohl anfühlt, von Bomben umgeben zu sein oder von Terrorgruppen bedroht zu sein, keine Nahrung, kein Wasser, keinerlei medizinische Versorgung zu haben, noch so etwas wie Neid oder Missgunst empfinden kann. Diesen kurzen Gedankenschritt kann doch jeder denkende Mensch vollziehen, Bilder stellt das Internet zur Verdeutlichung auch mehr als genug zur Verfügung- wie also kann man da nicht aus ganzem Herzen nachvollziehen, dass Menschen aus diesen grauenvollen Bedingungen fliehen? Und dass Deutschland eines der Länder ist, das bisher zumindest aus der Ferne nach Sicherheit und Frieden klang? Ich war nie in einem Kriegsgebiet, ich kann mich also nur in meiner Fantasie in diese Situation hinein versetzen, aber schon allein nur die Vorstellung davon fühlt sich so ungeheuer bedrohlich und beängstigend an, dass ich aus tiefstem Herzen verstehen kann, warum Menschen die Gefahr der Überfahrt über das Mittelmeer auf sich nehmen, um dem zu entkommen. Und wenn Menschen aus Gebieten zu uns kommen, in denen kein Krieg herrscht, in denen aber die Lebensbedingungen deutlich schlechter sind- ja, warum sollten sie das denn nicht tun oder nicht tun dürfen? Woher sollte ich denn die Anmaßung nehmen, dass solche guten Lebensbedingungen nur mir zustehen, wo ich doch einfach nur Glück hatte mit meinem Leben? 

Ich verstehe es einfach nicht. Es macht mich so unglaublich traurig, dass Hass, Missgunst und Gewalt genau in dieser Situation aufblühen, in der es umso wichtiger wäre, von all dem Überfluss, in dem wir leben, abzugeben. 

Es wäre doch für alle ein soviel besseres, würdigeres Leben, wenn jeder in Frieden leben könnte, statt seine Lebensenergie entweder verbrauchen zu müssen, um auf der Flucht zu überleben oder verbrauchen zu wollen, um sie in Hass zu verwandeln.

Naiv, ich weiß. Und trotzdem würde ich es mir wünschen für diese Welt. Vielleicht schaffe ich wenigstens für mich diese kleinen Schritte der Dankbarkeit für mein unverdientes Glück. Und finde einen Weg, etwas davon zu teilen.

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