Dunkle Gefühle

Es scheint sehr zuverlässig immer wieder Zeiten in meinem Leben zu geben, in denen es mir außerordentlich schwer fällt, das Positive zu sehen und nicht von jedem Windhauch emotional umgepustet zu werden.Zwar finde ich manchmal Zusammenhänge und kann dann etwas verändern, manchmal aber auch nicht. Oder es sind äußere Faktoren, die sich meinem Einfluss entziehen.

Wie gerne würde ich dann all den Stimmen glauben, die sagen, dass man seine eigene Realität manifestiert, dass man durch eine positive innere Einstellung auch das Äußere verändern kann. Ja, ich glaube sogar tatsächlich, dass das so ist und funktionieren kann. Nur, wenn ich im Dunklen bin, kein Streichholz habe und egal, in welche Richtung ich mich drehe, dort nur Dunkles sehe, dann gelingt es mir nicht, meine Gedanken zu ändern. Ich weiß nicht, wie ich mein Denken dazu bewegen könnte, nicht in der Trauer und all den dunklen Gefühlen zu verharren, die es dann beherrschen. Positive Grundeinstellung funktioniert bei mir nur, wenn ich zumindest noch Licht sehe. 

„Eigentlich“ ist alles gut- meine neue Stelle hat sich als große Erleichterung gegenüber der alten heraus gestellt, bis auf einzelne Personen, die manchmal ein wenig ungeduldig sind, sind alle sehr freundlich, ich habe nur vier Arbeitstage, mein Chef ist super angenehm, die Fahrtstrecke ist auch ok, ich habe eine warme, gemütliche Wohnung, eine Seele von Hund…aber uneigentlich zieht mich jede kleinste Missstimmung noch tiefer. Die Umgangsweise innerhalb der Familie ist momentan mal wieder sehr anstrengend, negativ geprägt, voller Vorwürfe und Vorhaltungen. Auch wenn ich intellektuell weiß, dass eben meine Mutter eine deutlich spürbare Persönlichkeitsstörung hat und vieles in ihrem Verhalten nicht wirklich etwas mit mir, sondern vornehmlich mit ihr selbst zu tun hat, so trifft es mich doch permanent und jedes Mal. Was ich nicht verstehe- warum könnte ich noch, genauso wie als kleines Kind, in Tränen ausbrechen, wenn sie wieder Hektik verbreitet, harte Kritik, manchmal nicht mal verpackt, vornehmlich an meinem Vater, äußert und sich im gleichen Atemzug als arme, ungeliebte Person darstellt? Ja, natürlich, man trägt auch las Erwachsene immer noch das kleine Kind in sich, aber was bringt es diesem kindlichen Anteil und was bringt es dem erwachsenen Anteil, sich immer noch und jedes einzelne Mal aufs Neue so traurig und verletzt zu fühlen?

Was mich fast noch trauriger macht, ist die Tatsache, dass ich auch wirklich keine Vorstellung habe, wie ich diesem inneren Gefühl von Verletztsein und der Traurigkeit so begegnen könnte, dass ich mir damit selbstliebend begegnen würde. Ich weiß es ganz einfach nicht.

Früher wurde mir dann erlaubt, fernzusehen, etwas zu kaufen oder was Süßes zu essen (wenn es nicht einer der Tage war, an denen Gefühle unerwünscht waren und mir dringend geraten wurde, nicht so empfindlich zu sein)- und eine dieser Varianten wähle ich auch jetzt noch immer.

Obwohl ich weiß, dass es mir besser gehen würde, wenn ich ein wenig Bewegung umsetzen würde oder meditieren würde oder mich, was doch aber schon ein sehr großer Schritt wäre, mit diesen inneren Kämpfen tatsächlich auseinander setzen würde.

Ich weiß nicht, woher diese innere Stimme kommt, die so vehement verhindert, mir etwas positives Gutes zu tun. 

Und irgendwie bin ich mal wieder so müde ob all dieser Trauer und auch all der Tränen, die ich nicht weinen kann, weil ich das weinen abtrainiert habe. 

Ich würde gerne mal eine dauerhafte helle Phase erleben, nicht nur so kurze Zeiten, wobei immerhin die zurückliegende kurze Zeit sehr viel länger war als alle bisherigen.  

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